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Gegen die Mauer

Holger Beranek hat beim Fischerstechen bereits dreimal den Pokal geholt. Natürlich ist er klarer Favorit. Doch in diesem Jahr tritt er zum letzten Mal an.

BEATE ROSE |

Ein Mann wie eine Mauer. Das ist Holger Beranek, dreimaliger Gewinner der Fischerstechen von 2001, 2009 und 2013. In diesem Jahr steht er zum letzten Mal als Stecher auf einem kleinen Brett am Ende der zehn Meter langen Zille. Denn Beranek ist 49. Mit 50 ist für alle Schluss am Speer. Da der Ulmer Schifferverein das Fischerstechen nur alle vier Jahre gestaltet, ist das diesjährige wirklich Beraneks letztes als Stecher. Er tritt als haushoher Favorit an. Trotzdem sieht er die Sache mit dem Gewinnen locker: „Noch ein Sieg würde mich freuen. Aber auch wenn’s nicht klappt, hatte ich eine optimale Zeit als Fischerstecher. Ich bin zufrieden.“

Und was sagen die Leute über ihn? Helmut Elsässer, Trainer der Fischerstecher: „Er steht nicht so sicher wie manch anderer, aber wenn’s drauf ankommt, ist er da.“ Johannes Deininger, (28), der als König von Bayern in der Zill’ auf Beranek als König von Württemberg trifft: „Holger ist der beste Stecher im Feld. An einem guten Tag ist er nicht zu schlagen und wird auch dieses Jahr den Gesamtsieg holen. Aber vielleicht pack’ ich ihn, wenn bei mir alles perfekt läuft.“ Günter Bodmer, Zillenfahrer: „Man kann nie im Voraus sagen, wer gewinnen wird, aber er wird sehr weit kommen.“ Susanne Grimmeiß, Vorsitzende des Ulmer Schiffervereins: „Holger Beranek ist ein angenehmer Mensch.“

Holger Beranek ist die Ruhe selbst, zumindest im Training am vergangenem Freitag auf der Donau. Trotz Reportern, die ihn bedrängen. Trotz der Schaulustigen, die vor allem ihn im Training sehen wollen und nicht zuletzt die Konkurrenz unter den Stechern, denen keine Regung Beraneks entgeht.

Beranek muss jetzt in die Zill’, Elsässer drängelt. Beranek, in kurzer blauer Hose und schwarzem T-Shirt, steigt vorsichtig ein. Das Blödeste, was passieren kann, sei ja, wenn Stecher schon beim Einsteigen ausrutschen, damit als „nass“ gelten und verloren haben, bevor es überhaupt losgegangen ist, sagt Beranek. Die Regeln, kurz gefasst, sind diese: Beim Stechen gilt als „nass“, wer in die Zille tritt, seinen Speer verliert oder ins Wasser fällt. Stecher, die trocken bleiben und die zwei Durchgänge der Hauptrunde überstehen, kommen weiter. Wer die 32 Stecher auf der Donau trainieren sehen will: Heute Abend üben sie zum letzten Mal vor dem Stechen am Sonntag.

Beranek kämpft auch im achten Training mit dem Gleichgewicht auf seinem Platz in der Zill, einem Brettchen. Ob er absichtlich zittert? „Er wackelt immer und bleibt trotzdem stehen“, sagt Elsässer. Gleichwohl schwingt bei ihm Bewunderung mit. Einen Stecher, der drei Gesamtsiege geholt hat, „ich meine, das gab’s noch nie“.

Beranek wird nun auf der Zille an den Gegner gefahren – der ihn mit einem gekonnten Speerstoß vom Brett holt. Sofort brechen Spötteleien los, Zuschauer klatschen. „Was reißen denn da für Sitten ein?“, schalt es über die Donau. Beranek grinst, langt nach dem Speer und wuchtet sich zurück in die Zille. Das sei übrigens auch ein Grund, weswegen mit 50 für die Stecher Schluss ist. Das Reinhangeln in die Zille falle immer schwerer, sagt Bodmer.

Beranek ist kein „Räser“, keiner, der von einer Ulmer Fischerfamilie abstammt. Er arbeitet als Kriminalhauptkommissar und kam zum Schifferverein über seinen Schwiegervater. Der ist zwar auch kein Räser, war aber seit Ende der 50er Jahre dabei. Damals fragte der Schifferverein bei diversen Sportvereinen an, ob deren Mitglieder nicht beim Umzug und Stechen dabei sein wollten, schlicht deswegen, weil der Schifferverein zu wenig Leute in seinen Reihen hatte. Das Mitmachen sieht Beranek als Ehre. Der Festumzug morgens, zehntausende Zuschauer beim Stechen, „das ist etwas Besonders“, das ist eine Tradition, die Beranek gerne lebt.

Das ist das Fischerstechen auch: „eine Show fürs Publikum.“ Seine Figur, der König von Württemberg, strenge ihn durchaus an. Schließlich trage der König im Umzug Perücke und einen blauen Samtmantel, Dinge, unter denen er bei Hitze ordentlich schwitzt. Wehmütig über sein letztes Stechen sei er nicht. Schließlich gäbe es im Verein noch andere Aufgaben, die er mit über 50 übernehmen kann, „aber darüber hab’ ich mir noch keine Gedanken gemacht“.

Als Beranek zurück am Ufer ist, ist er mit dem Training nicht unzufrieden. Immerhin sei er ja einmal trocken geblieben. Woran liegt es, dass er so häufig gewinnt? Seine Antwort: „Das weiß doch ich nicht.“

Natürlich weiß er das doch. „Es ist das Gesamtpaket“, sagt er selbstbewusst. Das Gesamtpaket von Größe, 1,90 Meter, Gewicht – „sag’ ich nicht, es ist zu viel“ – und Körperbeherrschung, die er sich als Kunstturner und Kampfsportler in der Jugend antrainiert hat. „Das kommt mir zugute.“ Noch etwas ist Beranek zu eigen, nämlich diese Philosophie. „Man muss den Stoß annehmen.“ Und stehenbleiben. Der Gegner müsse wie gegen eine Mauer fahren. Früher seien dabei regelmäßig die 2,80 Meter langen Speere gebrochen. Seit sie aus Esche gefertigt werden, passiere das kaum noch. Weil Beranek das Annehmen und Stehenbleiben wie kein Zweiter beherrscht, lautet sein Spitzname „Stadtmauer“. Wenn seine Gegner gegen ihn an diesem und nächsten Sonntag wie gegen eine Stadtmauer fahren, würde ihn das freuen. Denn: „Viermal hat noch nie einer gewonnen.“

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