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Rings ums „Postdörfle“ herrscht Parkplatznot

Beim Rundgang mit der CDU-Fraktion in der Weststadt rücken die Anwohner die schwierige Parkplatzsituation ins Blickfeld.

AMREI GROSS |

Sorgen verstehen und gemeinsam mit den Bürgern Lösungsansätze erarbeiten. Das war das Ziel der CDU-Fraktion des Ulmer Gemeinderats, die zum Stadtteilspaziergang durch das „Postdörfle“ in der Weststadt eingeladen hatte. Rund zwei Dutzend Anwohner kamen – und stiegen direkt am Treffpunkt ins Thema ein: „Zwei Drittel der Autos, die hier parken, gehören zu EADS“, ärgerte sich eine Teilnehmerin in der Wörthstraße wegen des benachbarten Anlagenwerks.

Das sei seit Jahren ein Problem, bestätigen mehrere weitere Anwohner, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen. Für Anwohner bleibe somit kaum eine Möglichkeit, den Wagen in der Nähe der Wohnung abzustellen.

Dass Parkplätze in der Weststadt Mangelware sind, ist kein neues Thema. Weder für Thomas Kienle, dessen CDU-Fraktion bereits vor vier Jahren überlegte, den Parkplatz des Discounters in der Wörthstraße durch ein größeres Parkdeck zu ersetzen. Und auch nicht für Volker Jescheck, Hauptabteilungsleiter der Ulmer Stadtplanung. Ulm sei nun einmal eine Autostadt: „Hier kommen 700 Fahrzeuge auf 1000 Einwohner“, weiß der Stadtplaner.

Keine schnelle Lösung

Für das „Postdörfle“ betrachtet Jescheck die Einrichtung eines Anwohner-Parkbereichs sogar als „nicht nur richtig, sondern überfällig“. Kienle und seine Fraktionskollegen sicherten zu, diesen Gedanken mit ins Rathaus zu nehmen. „Wir werden das zeitnah beantragen.“ Hoffnung auf eine schnelle Lösung konnten allerdings beide den Anwohnern nicht machen. „So etwas geht nicht von heute auf morgen“, sagte Jescheck. Es gelte, sauber zu ermitteln, wer wann vor Ort parke, und auch die Interessen und Bedürfnisse der Gewerbetreibenden zu berücksichtigen. Rund ein Jahr dauere ein solches Verfahren, schätzt der Stadtplaner.

Trotz der Parkplatzdebatte blieb Zeit, um das vorzustellen, was derzeit im Innenhof des Areals entsteht: In Kooperation mit der Landes-Bau-Genossenschaft baut die Genossenschaft für Wohnungsbau Oberland (GWO) aus Laupheim dort 100 Wohnungen in sieben Gebäuden. Zusätzlich ist eine Kindertagesstätte geplant. „Ein tolles Projekt“, schwärmte Jescheck. „Wir können uns wirklich glücklich schätzen.“ Der Bauantrag für das 20-Millionen-Euro-Projekt sei eingereicht und werde „mit absoluter Sicherheit“ genehmigt. Ende 2020 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.

Angst vor weiterer Park-Konkurrenz brauche allerdings niemand zu haben, versicherte der Stadtplaner den Anwesenden: „Für jedes Auto, das durch das Projekt in diesem Bereich hinzukommt, gibt es einen Stellplatz.“ Unter den Neubauten ist eine Tiefgarage vorgesehen.

Vom Abrissgelände zum Schmuckstück

Lage Das „Postdörfle“ erstreckt sich zwischen Wörthstraße, Elisabethenstraße, Wagnerstraße und Blücherstraße. Heute steht der Komplex, der 1907 bis 1912 für Postbeamte erbaut wurde, unter Denkmalschutz.

Sanierung Die Genossenschaft für Wohnungsbau Oberland (GWO) aus Laupheim hat die Immobilie 2005 erworben. Zunächst standen ein Abriss und Neubau im Raum. Als das Regierungspräsidium Tübingen die Anlage schließlich unter Denkmalschutz stellte, wurde liebevoll saniert.

Auszeichnung Für die Fassade mit den vielen Türmchen, Gauben und Erkern und das Projekt gab es Ende 2015 eine Plakette von Pro Ulma.

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