undefined Function "box_swo_paywall_counter".

Ein Top-Team für alle Felle

Zwei der europaweit besten Tierpräparatoren arbeiten in Stuttgart, aktuell haben sie einen berühmten Bären in der Mache.

CAROLINE HOLOWIECKI |

Könnte Tips noch brummen, würde sie wohl signalisieren, dass sie sich etwas unwohl fühlt in ihrer Haut. Am Hinterteil wirft das cappuccinofarbene Fell Falten, an den langen schwarzen Krallen lappt es auseinander und lässt den Blick auf weiße Plastiktatzen zu. In der Schnauze stecken Nadeln wie bei einer Akupunktur. Man könnte sich einbilden, dass Tips etwas schief grinst, während sich Jan Panniger und Christin Scheinpflug an dem, was von der zwölfjährigen Bärin übrig ist, zu schaffen machen.

Beide gehören zum 24-köpfigen Präparatoren-Team des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart. Im Obergeschoss des Schlosses Rosenstein, in ihrer Werkstatt, stellen sie Tips wieder her, damit sie in ihrer Heimat Osnabrück im Museum am Schölerberg ausgestellt werden kann. Im Zoo dort lebt ihr Bruder Taps. Besonders sind die Zwillinge, weil es Hybridbären sind. Mutter Braun-, Vater Eisbär. Vor einem Jahr musste Tips nach einem Ausbruch erschossen werden, um Zoobesucher und -personal zu schützen. Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht.

In Stuttgart ist das Tier in den besten Händen. Der lässige Look der Präparatoren – er: abgetretene Sneakers und weite Arbeitshose, sie: Tattoos, Piercings und blau-grüne Haare zu Hotpants – soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier mehrfach ausgezeichnete Vollprofis am Werk sind. Von den Europameisterschaften der Tierpräparatoren in Salzburg kehrten beide jüngst mit Trophäen zurück. Jan Panniger (36) hat seinen Europameister-Titel in der Disziplin Amphibien/Reptilien mit der Darstellung eines Breitschnauzenkaiman-Babys verteidigt und kann auch schon Weltmeister-Erfolge vorweisen, Christin Scheinpflug (31) ist Vize-Europameisterin im Fach Säugetiere und überzeugte mit ihrem Präparat der Jaguardame Petra, die vor ihrem Tod die Wilhelma bewohnt hatte. Gelernt haben beide den Beruf des präparationstechnischen Assistenten an einer Spezialschule in Bochum. Nur etwa 400 ihrer Zunft arbeiten in Deutschland.

Zwischen Werkzeugen liegen Bilder von Tips, wie sie noch zu Lebzeiten tapste; Recherchearbeit. Die Osnabrücker Kollegen haben sich gewünscht, dass der Bär nach rechts schauen und eine Tatze heben soll. Als interessiere sich das Tier für etwas. Jan Panniger spricht von einer Illusion, die er und seine Kollegin beim Betrachter hervorrufen wollen. Dafür haben sie sich schon lange mit Tips beschäftigt. Dem toten Tier haben sie eigenhändig das Fell über die Ohren gezogen und den Kadaver danach vermessen. Aktuell ruht das vom Gerber bearbeitete Fell noch recht lose auf einem Modell aus Kunststoff, die braunen Glasaugen schauen aber irritierend echt drein. Jedes Lidfältchen wurde in den Ton darunter modelliert. Selbst die feinen Wimpern sind noch dran.

Arbeit mit Airbrush und Lacken

Der weiche Pelz ist feucht, so ist er flexibel. Darunter muss nachgearbeitet werden, an manchen Stellen fehlt Masse am Modell. Eine Arbeit wie die eines Bildhauers. Später wird das Fell mit „kilometerweise Naht“, wie Christin Scheinpflug sagt, zusammengefügt, und dann erhält das Tier seine Farbe zurück. Durchs Gerben leiden Haar und Haut, Airbrush und Lacke machen das wett. Sechs bis acht Wochen dauert es, bis ein Präparat dieser Größe fertig, nochmal zehn, bis der Pelz getrocknet ist.

Dass viele Menschen vom seltenen Handwerk eine falsche Vorstellung haben, hat das Duo längst festgestellt. Die ersten Fragen von Außenstehenden drehten sich meist um den Verbleib der Eingeweide. „Da ist nichts Morbides, wir sind nicht bis zu den Ellenbogen im Blut“, stellt Jan Panniger klar.

Eklig wirkt zwischen Bohrmaschine, Waschwannen und Gipseimern tatsächlich nichts, skurril aber allemal. Etwa die zahlreichen Totenmasken an der Wand. Abgüsse von Affen, Pferden, Löwen – Anschauungsmaterial. Die Nähe und die guten Kontakte zur Wilhelma erweisen sich hier als Glücksgriff. Und wer bei den Meisterschaften der Präparatoren gewinnen will, muss Detailtreue beweisen. Christin Scheinpflug: „Die Jury leuchtet auch in Nasenlöcher und Ohren.“

Schaupräparation und Kakerlakenrennen

Programm Wie Bärin Tips aufersteht, kann man an diesem Samstag bei der Langen Nacht der Museen sehen. Das Programm zum Thema Bionik in Schloss Rosenstein beginnt um 16 Uhr mit Kakerlakenrennen, Kinderaktionen sowie der Schaupräparation. Um 19, 21, 23 und 1 Uhr starten Führungen durch die Dauerausstellung, außerdem um 20, 22 und 0 Uhr durch die Sonderschau Baubionik. Ab 19 Uhr werden im Afrika-Club Drinks serviert, ab 22 Uhr wird gefeiert, dann legt DJ Sumo auf.

Ausstellung Ab dem 27. März sind die Europameister-Präparate von Jan Panniger und Christin Scheinpflug im Löwentor-Museum zu sehen. car

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

undefined Function "box_swo_tabellen_get_tabledata_by_leokuerzel".
Zum Schluss

Warum man mit Energiesparlampen ...

Die modernen Glühlampen sind gut für die Umwelt, weil sie Energie sparen, aber schwierig zum Entsorgen.

Energiesparlampen schonen das Klima, weil sie viel weniger Strom verbrauchen als die alten Glühbirnen. Doch wenn sie zerbrechen, ist Vorsicht angesagt – vor allem, wenn sie Quecksilber enthalten. mehr

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr

Mückenplage droht – ...

Wo kommt sie vor? Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus).

Deutschland droht eine Stechmückenplage. Der Grund: das feuchtwarme Wetter. Experten bitten darum, Mücken zu fangen und einzusenden. mehr