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Mit freundlichem Ton für Tempo sorgen

Die Stuttgarter S-Bahn-Helfer haben für einen Rückgang der Verspätungen gesorgt.

UWE ROTH |

Die gelbe Signalweste zieht Fahrgäste magnetisch an. Azize Özdemir ist S-Bahn-Helferin im Stuttgarter Hauptbahnhof und soll dafür sorgen, dass die Menschen zügig ein- und aussteigen, um Verspätungen zu vermeiden. Doch das Gelb signalisiert auch, dass sie eine Auskunftsperson ist. Mit einem freundlichen Lächeln beantwortet die 20-Jährige Fragen nach Anschlüssen oder den Weg durchs Bahnhoflabyrinth. Die junge Frau ist Studentin des Bauingenieurwesens. S-Bahn-Helferin ist ein Nebenjob, den sie seit Juli macht, um das Leben in Stuttgart zu finanzieren. Sie kann auch ihre Menschenkenntnis ein wenig erweitern. „Anfangs war es etwas chaotisch“, berichtet sie, wenn Menschen aus der S-Bahn rausdrückten und die vom Bahnsteig reindrängelten.

Mittlerweile kann sie wie eine Dirigentin die Fahrgäste lotsen, nach innen rufen, damit nicht alle im Türbereich stehen bleiben, sondern auch die Gänge füllen. Sehr häufig muss sie bitten, aus der Lichtschranke der Türe zu treten, da ansonsten der Zug nicht losfahren kann. In der Regel würden ihre Anweisungen befolgt. Aber sie sei schon aggressiv angegangen worden. „Das Spektrum der Kunden ist sehr groß“, erläutert sie knapp. Besonders am späten Nachmittag seien viele Pendler gestresst.

Sechs S-Bahn-Helfer sind zwischen 6.45 und 9.45 Uhr im Einsatz. Zwischen 15.15 und 18.15 Uhr sogar zwölf. Sie postieren sich vor allem im Bereich der Abgänge von der Klettpassage. Dort herrscht stets ein Riesenchaos. So ist es Aufgabe der Bahn-Helfer, freundlich darum zu bitten, sich gleichmäßiger entlang des Bahnsteigs zu verteilen. Seit 2013 sind die Hilfskräfte vor Ort, deren offizielle Aufgabe die „Reisendenlenkung“ ist.

Dirk Rosenstein, Vorsitzender der S-Bahn Stuttgart, sieht „einen vollen Erfolg“. 150 000 Ein- und Aussteiger werden am Bahnhof täglich gezählt. Die Helfer hätten trotz steigender Passagierzahl erreicht, dass die Überschreitung der Haltezeiten um 20 Prozent gesunken sei. Mit 30 Sekunden ist die vorgegebene Haltezeit für den Zugführer ambitioniert. Sie ergibt sich daraus, dass auf der Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße 24 Züge pro Stunde und Richtung fahren. Das bedeutet eine minimale Zugfolge von 2,5 Minuten. „Das ist der technisch kürzest mögliche Abstand“, erläutert Rosenstein. Jede Minute Verspätung wirke sich auf den gesamten S-Bahn-Verkehr aus. Uwe Roth

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