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Wenn Wind und Sonne schwächeln

Bosch und ENBW wollen mit einer neuen Speicherlösung die Stromversorgung sicherstellen. Erste Tests waren erfolgreich.

HANS GEORG FRANK |

Ein „elementarer Baustein für eine erfolgreiche Energiewende“ sollen ein paar graue Klötze sein. In Containern auf dem Areal des Heilbronner Kohlekraftwerks verbirgt sich ein Stromspeicher, der nach Angaben von Bosch und ENBW „einzigartig in Europa“ sein soll. Die beiden Unternehmen haben gemeinsam ein über 3 Mio. € teures Batteriesystem entwickelt, um gewappnet zu sein bei Schwankungen der Energieversorgung. Die innovative Lösung soll verstanden werden als „Flexibilitätssteigerung von konventionellen Kraftwerksstandorten“ wie eben jenem in Heilbronn, wo sich 1923 die ersten Turbinen drehten.

Wenn bei Flaute und Regen der Nachschub von Rotoren und Kollektoren schwächelt, soll diese neuartige Batterie an- und einspringen. Dadurch soll unverzüglich so genannte Primärregelenergie bereitgestellt werden können, erklärte Geschäftsführer Arnim Wauschkuhn. Gemeint ist der Ausgleich kurzfristiger Schwankungen im Netz. Die Stabilität mit der Frequenz von 50 Hertz soll auf diese Weise gesichert werden.

Großes Interesse der Industrie

Bosch hat dafür eine schlüsselfertige Speichertechnologie entwickelt. ENBW hat das System übernommen, sorgt für Netzanschluss und die weitere Vermarktung. Damit soll nicht nur die Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität ausgebaut werden, auch Industriekunden mit einem Bedarf im dreistelligen Kilowatt-Bereich sollen von dieser Version der dezentralen Stromversorgung profitieren. Nach der Präsentation auf zwei Messen in Essen und Düsseldorf sei das Interesse der potenziellen Abnehmer groß, sagte Wauschkuhn: „Wir führen schon viele Gespräche.“

Der Heilbronner Stromspeicher besteht aus 768 Lithium-Ionen-Batteriemodulen, seine maximale Leistungsabgabe beträgt fünf Megawatt. Während ein herkömmliches Kraftwerk bei zusätzlichem Bedarf erst hochgefahren werden muss, wofür bei Stillstand bis zu acht Stunden verstreichen können, „springt die Batterie innerhalb von Millisekunden an“, erklärte Wauschkuhn, „aus dem Stand“. Menschliches Zutun sei nicht nötig, alles laufe automatisch.

Die Kapazität des Vorzeigeprojekts entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch von 400 Zwei-Personen-Haushalten. Es deckt etwa ein Fünftel der Regelleistung des Kraftwerks ab.

Dem Batteriespeicher misst die Landesregierung so große Bedeutung bei, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gestern nach Heilbronn reiste und medienwirksam auf den Knopf drückte. Die Technik hat bereits die ersten Probeläufe bestanden. „Alles lief völlig problemlos, wir sind selber überrascht“, berichtete Manager Ralf Klein.

Auch wenn der Batteriespeicher „klein und unscheinbar“ aussehe, „ist das ein echtes Kraftpaket“, lobte Kretschmann. Für den Regierungschef ist diese „neue Flexibilitätsoption“ der Beweis dafür, „dass die Energiewende in Baden-Württemberg eine eigene ökologische, ökonomische und technologische Dynamik entfaltet“. Sie führe zu neuen Produkten, Verfahren und Geschäftsmodellen, „und zu neuen Partnerschaften“, zählte Kretschmann mit Blick auf die Verbindung von Bosch und ENBW auf.

Neue Firma für die Kooperation

Die beiden Unternehmen Bosch und ENBW haben 2017 die Kraftwerksbatterie Heilbronn GmbH gegründet. Der Gegenstand des Joint Ventures sei „die Projektentwicklung, die Planung, die Errichtung, der Betrieb und die Vermarktung eines elektrischen stationären Energiespeichers in Heilbronn“, heißt es in einer Mitteilung. Geschäftsführer sind Ralf Klein und Arnim Wauschkuhn. eb

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