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Putin zieht für Trump alle Register

US-Ermittler bestätigen, dass russische Hacker die Demokraten um Clinton ausforschen. Konkurrent Trump und Kremlchef Putin verstehen sich derweil gut.

PETER DE THIER |

Versucht Wladimir Putin, den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl zugunsten des republikanischen Kandidaten Donald Trump zu manipulieren? Nach einem weiteren Angriff auf die Server des Weißen Hauses ist auch Trumps demokratische Gegnerin Hillary Clinton fest überzeugt, dass der Kreml versucht, auf leichtgläubige Wähler einzuwirken. „Jeder Amerikaner sollte besorgt sein, dass Russlands Präsident das Ergebnis am 8. November in seinem Sinne beeinflussen will“, sagte die frühere Außenministerin. Demokraten vermuten, dass sich Putin von einem Präsidenten Trump weniger außenpolitisches Engagement und einen deutlich toleranteren Kurs gegenüber dem Kreml verspricht.

Gerüchte, wonach sich Moskau aktiv in den US-Wahlkampf einmischt, kursieren seit Monaten. Im Vorfeld des demokratischen Parteikonvents in Philadelphia hatten Hacker die Betriebssysteme des Demokratischen Nationalkomitees (DNC) geknackt und waren in den Besitz von Millionen von E-Mails gelangt. Darunter befanden sich Korrespondenzen, aus denen hervorging, dass die Parteispitze Bernie Sanders ausschalten und die Vorwahlergebnisse zugunsten Clintons manipulieren wollte. DNC-Chefin Debbie Wasserman-Schultz musste den Hut nehmen, und der Parteitag war von lautstarken Protesten verärgerter Sanders-Anhänger überschattet. Als Bundesermittler dann bestätigten, dass sich russiche Hacker hinter der Invasion verbargen, war Experten klar, dass der Kreml die Finger im Spiel hatte.

Bemerkenswert war in den darauffolgenden Wochen, dass sich Putin und Trump gegenseitig mit Lob überhäuften. Demokraten sind überzeugt, dass der Kremlchef bereit ist, tief in die Trickkiste zu greifen, um Clinton ebenso wie Barack Obama und die demokratische Partei zu diskreditieren. „Es handelt sich um eine noch nie dagewesene Form von Einmischung durch einen anderen Staat“, meint Susan Hennessey, sicherheitspolitische Expertin bei der Washingtoner Brookings Institution. „So dreist war die Spionage nicht einmal während de Kalten Kriegs.“

Andere weisen auf die Berichterstattung zweier in den USA tätiger Medien hin, die von Moskau gesteuert werden. Die Fernsehstation Russia Today (RT) sowie der Radiosender Sputnik fallen durch Beiträge auf, die Clinton zu dämonisieren versuchen. So hat RT Clintons Kritik an Trumps Entgleisungen mit einer „Hexenjagd“ verglichen, die an den Kommunistenhasser Senator Joseph McCarthy aus den 1960er Jahren erinnere. Auch wird sie mit dem Einsatz von US-Atomwaffen am Ende des Zweiten Weltkriegs in Verbindung gebracht, obwohl sie zwei Jahre nach Kriegsende geboren wurde.

Auffallend findet Clinton, dass Putin die Anschuldigungen nicht dementiert, sondern in der Regel dazu schweigt. „Das ist für sich genommen schon ein Geständnis“, glaubt die 68-Jährige. Nicht nur darin sehen sowohl das Weiße Haus als auch Berater der Kandidatin einen Beweis dafür, dass Moskau die Demokratin zu desavouieren versucht. Dass die russischen Hacker nicht nur in die Server eindrangen, sondern die E-Mails anschließend gezielt an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergaben, unterstreiche zweifelsfrei, dass es ihnen darum ging, Clintons Kampagne zu kompromittieren.

Wie der Politologe Joseph DeThomas von der Penn State Universität überzeugt ist, könne Wladimir Putin sein Vorpreschen nur damit rechtfertigen, „dass die US-Geheimdienste in Russland versuchen, genau dasselbe zu tun“ und ebenfalls gern verhindert hätten, dass der Ex-KGB-Mann gewählt wird. „Zudem ist für Putin wie für Donald Trump das amerikanische Wahlsystem korrupt“, sagt DeThomas. Dieses der Lächerlichkeit preiszugeben und womöglich das Zünglein an der Waage zugunsten seines Verbündeten Trump zu spielen, könne Putin nur recht sein, meint der Politikwissenschaftler.

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