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Vorteil Clinton

Lange hatten die US-Bürger auf das TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump hingefiebert. Sie erlebten ein lebhaftes Duell.

PETER DE THIER |

Das erste TV-Duell zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump – „ein episches Ereignis“. An Superlativen fehlte es den US-Medien im Vorfeld des Megaspektakels nicht. Jetzt ist es vorbei, und erst mit dem Abstand einiger Tage wird klar sein, welchen Einfluss das Duell auf die Präsidentschaftswahl am  8. November hat. Die meisten Zuschauer verfolgten die Auseinandersetzung mit vorgefassten Meinungen. Besonders wichtig wird die Gruppe der noch Unentschiedenen sein. Von diesen Wählern müssen die Kandidaten im Zuge der beiden weiteren Duelle am 9. und 19. Oktober möglichst viele von sich überzeugen. Clinton wird dabei als Favoritin vor die Kameras treten – und das liegt an ihrer Leistung im ersten Duell.

Zu dessen Beginn begrüßten sich die beiden Kontrahenten im Auditorium der politisch eher liberalen Hofstra Universität im New Yorker Vorort Hempstead respektvoll. „Schön, dich wiederzusehen, Donald  „sagte die frühere First Lady beim Betreten der Bühne mit verschmitztem Lächeln und einer Prise Ironie. Trump vergewisserte sich gleich zum Auftakt, ob es in Ordnung sei sie als „Frau Ministerin“ anzusprechen. „Denn mir ist es wichtig, dass ich das richtig mache und Sie glücklich sind“, fügte der Immobilienzar ebenso polemisch hinzu. Dann ging es zur Sache. Drei Themenkomplexe sollten das 90-minütige Rededuell beherrschen: Das wachsende US-Wohlstandsgefälle, die Zukunft Amerikas und nationale Sicherheit in einer Ära des globalen Terrorismus sowie nuklearer Bedrohungen und Cyberattacken.

Clinton forderte  einen höheren Mindestlohn, gleiche Bezahlung für Frauen und höhere Steuern für die Wohlhabendsten. Wohlstand müsse nicht nur geschaffen, „sondern gerechter verteilt werden“, zitierte sie buchstäblich das wirtschaftspolitische Programm ihres früheren Chefs Barack Obama.

Im Gegenzug wetterte Trump gegen die „Stümper in Washington“, allen voran Obama und Clinton, die mit dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen Nafta „den schlimmsten Deal in der Geschichte gemacht haben“. Millionen von Jobs seien nach Mexiko gewandert. Nur er, Trump, könne durch neue Handelsverträge das Ruder herumreißen und mit niedrigeren Steuern alle Amerikaner entlasten. Eine gute halbe Stunde lang gab der Milliardär eine gute Figur ab.

Dann aber spielte Clinton ihren ersten Trumpf aus, als habe sie geduldig gewartet, bis ihr Konkurrent sein Pulver verschossen hat. „Donalds Steuersenkungen werden ja durchaus zu Recht ,Trump-Schlupflöcher’ genannt, weil seine Familie und Freunde von Nachlässen für die Reichsten profitieren“ zog sie gegen den Republikaner zu Felde. Trump schniefte laut, wie so oft an diesem Abend, verzog das Gesicht und schüttelte den Kopf.  „Wie viel spart meine Familie dadurch?“, fuhr er der Demokratin ungehalten ins Wort.

Und so ging es weiter, eine ganze Stunde lang. Immer wieder brachten Clintons Einwürfe den Republikaner aus dem Konzept. Auf seine zerfahrene Kritik daran, dass sie als Politikerin „30 Jahre Zeit gehabt habe, um Jobs zu schaffen aber versagte“, und die 68-Jährige „ihr ganzes Leben lang“ vergeblich gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gekämpft habe, obwohl die noch gar nicht so lange existiert, antwortete die souverän agierende Demokratin, „Donald, wir wissen alle, dass Du in Deiner eigenen Realität lebst.“ Sie habe das Gefühl, dass Trump ihr heute „die Schuld an so ziemlich allem geben möchte“. Er zuckte mit den Schultern und sagte: „Warum denn nicht?“

Peinlich wurde es für Trump, als Clinton seine Steuererklärungen ansprach, die der Unternehmer im Gegensatz zu sämtlichen Präsidentschaftskandidaten während der letzten 40 Jahre nicht veröffentlichen will. Fraglos habe er etwas zu verbergen, mutmaßte sie. Sei er etwa nicht so reich, wie er behauptet? Unterhalte er womöglich fragliche Geschäftsbeziehungen zu Russland? Oder könne es sogar sein, dass er gar keine Steuern zahlt?  Zum ersten Mal gab sich Donald Trump eine Blöße. „Wenn ich keine Steuern gezahlt habe, dann beweist das nur, wie schlau ich bin“, legte er geradezu ein Geständnis ab.

    Immer wieder schnappte der Republikaner nach dem Köder, den ihm Clinton vor die Nase hielt. Als er das Machtvakuum nach einem überflüssigen Irakkrieg und daraus resultierend die Entstehung des IS Obama und dessen damaligen Außenministerin vorwarf, stellte sie treffend fest, dass auch Trump zunächst für den Krieg gewesen sei. Sichtlich von der Rolle zitierte er Minuten lang Fernsehreporter, denen er das Gegenteil gesagt haben will. Ins offene Messer rannte er auch, als es um den Mythos ging, dass Obama nicht in Amerika geboren wurde und kein Recht auf das Präsidentenamt habe. „Dass ich ihn zwang, seine Geburtsurkunde zu veröffentlichen, war ein großer Dienst an der Nation.“ Erneut ein taktischer Fehler, ist doch eine klare Mehrheit der Wähler laut Umfragen der Meinung, dass Trump die unsinnige Behauptung zu den Akten legen sollte.

    In den Themen sattelfest wirkte Clinton zwar manchmal schon fast gelangweilt und müde, aber insgesamt trat sie staatsmännisch und souverän auf. Die Millionen von Zuschauern des Duells erlebten hingegen wie oberflächlich Trumps Kenntnisse in sicherheits- wie innenpolitischen Themen sind. Dass er am Ende des Abends am kürzeren Hebel saß, dürfte ihm auch bewusst gewesen sein. Trotzig reagierte er, als Reporter ihn fragten, wie es denn gelaufen sei. „Weiß ich nicht, was glauben denn sie?“, sagte er schließlich und verschwand hinter der Bühne.

Reaktionen

Umfrage Die Debatte in der Hofstra University in Hempstead (New York) wurde allein in den USA von bis zu 100 Millionen Zuschauern verfolgt. Eine erste Blitzumfrage des Senders CNN sah danach Hillary Clinton mit 62 Prozent vorn, Donald Trump beschrieben nur 27 Prozent der Befragten als Gewinner. Auch andere erste Umfragen sahen Clinton als klare Siegerin des TV-Duells. Trumps Lager beanspruchte dennoch den Sieg für sich und verwies dabei auf eine, allerdings informelle, Internet-Umfrage des Senders CNBC.

 

Deutschland SPD-Chef Sigmar Gabriel zog nach dem Duell das Fazit: „Trump hat keinen Plan – weder für die USA geschweige denn für die großen außenpolitischen Herausforderungen.“ Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen (CDU), urteilte: „Man sieht seinen Charakter, und der verspricht nichts Gutes.“ Grünen-Chef Cem Özdemir freute sich für Clinton und über einen „Triumph der Seriosität über gefährliches Halbwissen und Arroganz“.  dpa

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